Informationen zur epidemiologischen Studie HPV in Wolfsburg

Wir bitten alle in Wolfsburg lebenden Frauen der Jahrgänge 1988/89 um die Teilnahme einer wissenschaftlichen Studie zur Verbreitung von humanen Papillomaviren (HPV). Die Studie wird im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung bei allen Frauenärzten/Ärztinnen in Wolfsburg durchgeführt.

HPV-Infektionen gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten des weiblichen Genitaltraktes. In Deutschland wird jede zweite Frau irgendwann eine solche Infektion aufweisen. Es handelt sich um eine Art "Schnupfen des Muttermundes" der meist unbemerkt bleibt, keine Beschwerden macht und nach 6-18 Monaten in ca. 90% aller Fälle folgenlos und dauerhaft verschwindet. Nur bei einer kleinen Minderheit kann es zu einer chronischen HPV-Infektion kommen, deren Folge zur Entstehung echter Krebsvorstufen und nach vielen Jahren zur Krebsentstehung sich entwickeln kann. Somit ist es nichts Besonderes HPV positiv zu sein, sondern nur HPV positiv zu bleiben. Da bei manchen Individuen HPV lebenslänglich nachgewiesen werden kann, ohne dass es jemals zur Ausbildung eines ernsten Krankheitsbildes käme, beweist der HPV-Nachweis für sich allein, nicht das Vorliegen einer Krankheit.

Ziel der Studie, Nutzen für die Allgemeinheit
Bisher fehlen aus Deutschland genaue Untersuchungen zur Verbreitung von HPV bei jungen Frauen, insbesondere ist nicht bekannt, wie die einzelnen HPV-Typen verbreitet sind. Bis heute wurden ungefähr 40 verschiedener HPV-Typen im Genitalbereich entdeckt. Diese sind sexuell übertragbar, über die genaue Rolle des Sexualverhaltens, wie auch die anderer möglicher Cofaktoren, ist bis heute aber noch nicht entgültig geklärt. Die bessere Kenntnis der genauen Verbreitung der verschiedenen HPV-Typen ist eine Voraussetzung für die Entwicklung von neuen Impfstoffen, von neuen Medikamenten und einer besseren Planung der Vorsorge.

Möglichen Vorteile der Studie für Sie
Die Teilnahme an der gesetzlichen Krebsvorsorgefrüherkennung schützt Sie mit hoher Zuverlässigkeit vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krankheiten. Gebärmutterhalskrebs lässt sich dadurch verhindern, dass Krebsvorstufen rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Im Rahmen der Studie wird es durch einen zusätzlichen Abstrich zu einer verbesserten Entdeckung von Vorstufen kommen. Falls eine weitergehende Behandlung erforderlich werden sollte, kann diese in auf besonders schonende Verfahren spezialisierten Sprechstunden erfolgen. Da nur wenige solcher Sprechstunden vorhanden sind, sind unter normalen Umständen die Wartezeiten auf eine solche Behandlung lang. Für Studienteilnehmerinnen wurde mit der Spezialsprechstunde im Klinikum Wolfsburg eine deutlich kürzere Wartezeit vereinbart. Auch für eventuell erforderliche Behandlungen bei Genitalwarzen sind Teilnehmerinnen besser gestellt, so dass sonst erforderliche Zuzahlungen entfallen. Sie können sich aber selbstverständlich auch andernorts behandeln lassen.

Mögliche Nachteile der Studie für Sie
Schwerwiegende Nachteile sind nicht zu erwarten. Der zusätzliche Abstrich wird von den meisten Frauen nicht gespürt, nur sehr selten kommt es zu einem kurzen und leichten Berührungsschmerz. Durch den zusätzlichen Abstrich kann es zu einer geringfügigen Zunahme von auffälligen Befunden kommen. Wie bereits erwähnt, ist bei jungen Frauen eine Infektion mit HPV sehr häufig und bildet sich in den meisten Fällen binnen zwei Jahren zurück. Bei den wenigen Frauen mit einer über mehr als zwei Jahre anhaltenden HPV-Infektion besteht dann aber ein erhöhtes Risiko für Krebsvorstufen. Im Rahmen der Studie ist es vorgesehen, diesen Teilnehmerinnen eine Untersuchung in der Spezialsprechstunde des Klinikums Wolfsburg anzubieten, da rechtzeitig erkannte Krebsvorstufen sehr schonend behandelt und dadurch Krebsentstehung verhindert werden kann. Dies ist für Frauen mit Krebsvorstufen, die auf diese Weise entdeckt werden, selbstverständlich ein Vorteil, andererseits werden Teilnehmerinnen, bei denen keine Vorstufen vorliegen, somit grundlos beunruhigt.

Verlauf der Studie
Wenn Sie an dieser Studie teilnehmen möchten, bitten wir Sie, mit einem Frauenarzt oder einer Frauenärztin Ihrer Wahl in Wolfsburg einen Termin für eine Krebsvorsorgeuntersuchung mit HPV-Testung zu vereinbaren. Nach Ausfüllen der Einwilligungserklärung in der Praxis, wird zusätzlich zum üblichen Abstrich ein weiterer Abstrich entnommen und mit einem kurzen Fragebogen anonymisiert an unser Studienzentrum gesandt. Hier erfolgt dann nach den Laboruntersuchungen die Bewertung der Befunde.

Weiterhin bitten wir Sie, nach dieser Untersuchung im Abstand von jeweils einem Jahr, vier weitere Termine für eine Krebsvorsorgeuntersuchung mit HPV-Testung zu vereinbaren und wahrzunehmen. Diese weiteren Besuche werden in gleicher Weise ablaufen. Auch bei diesen Besuchen wird zusätzlich zur Routinekrebsvorsorgeuntersuchung mit Abstrich ein weiterer Abstrich entnommen und Sie werden gebeten wieder den gleichen Fragebogen auszufüllen. Auch diese Besuche und die dabei erhobenen Daten und Befunde dienen dem Forschungsprojekt.

Selbstverständlich können Sie auch die Krebsvorsorgeuntersuchung bei Frauenärzten außerhalb Wolfsburgs durchführen lassen, eine Teilnahme an dieser Studie ist dann allerdings nicht möglich.

Die ärztliche Schweigepflicht und die Vorgaben des Datenschutzes werden strikt eingehalten, der Fragebogen mit Ihren Angaben und der Frauenärztliche Befundbogen sind nicht mit Ihrem Namen sondern nur mit einer Nummer versehen, die nur in der Praxis und der Klinik mit Ihrem Namen verbunden werden kann. Alle Daten aus dem Fragebogen sowie aus den Untersuchungsbefunden werden anonym erfasst und ausgewertet. Wie bei allen genehmigten Studien sind Kontrollen durch amtliche oder vom Studienleiter bestellte Prüfer möglich. Diese Kontrolleure unterliegen selbstverständlich ebenfalls der Schweigepflicht.
Für die wissenschaftliche Auswertung werden nur anonymisierte Daten an die Conrese GmbH in München und die Johannes Gutenberg Universität in Mainz weitergeleitet. Rückschlüsse auf die Identität einzelner Personen sind unmöglich.

Freiwillige Teilnahme
Ihre Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Wir legen Ihnen eine Einwilligungserklärung vor. Die Befunde der ärztlichen Untersuchung sowie Ihre Angaben gehen nur in die Auswertung ein, wenn Sie diese Einwilligungserklärung unterschrieben haben. Sie können jederzeit, ohne Angaben von Gründen und ohne dass Ihnen Nachteile entstehen, Ihre Einwilligung schriftlich oder mündlich zurückziehen, wir werden in diesem Fall den Dokumentationsbogen vernichten. Schon anonymisierte Daten sind aber nicht mehr zuzuordnen und bleiben damit erhalten. Wir würden uns über Ihre Teilnahme sehr freuen, weil nur so aussagekräftige Ergebnisse entstehen können.